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#Sachbuchdienstag: Warum dänische Eltern entspannter sind

Iben Sandahl & Sarah Zobel

Die Dänen werden regelmäßig zu den glücklichsten Menschen der Welt erklärt. Das gilt auch für die Kinder. Dies soll vor allem an der Erziehung liegen. Was so besonders ist am „dänischen Way of Erziehung“, will dieses Buch erklären.

„Warum dänische Eltern entspannter sind“ will zu einer harmonischeren Eltern-Kind Beziehung beitragen.

Iben Sandahl ist Coach und Psychotherapeutin und Sarah Zobel Psychologin. Beide sind selbst Mütter von insgesamt fünf Kindern. Das Buch wird abwechselnd von den beiden Autorinnen befüllt. Persönliche Erfahrungsberichte wechseln sich mit anschaulichen Beispielen und wissenschaftlichen Erkenntnissen ab. Insgesamt flüssig und einfach zu lesen, auch für Leser*innen die noch keine Berührungspunkte mit pädagogischen Themen hatten.

In neun Kapiteln wollen die Autorinnen alte Muster der Leser*innen brechen und klären auf, was persönliche Prägung sowie eigene Ängste und Erwartungen mit der Erziehung unserer Kinder zu tun haben. Nach Ansicht der Autorinnen ist Kindererziehung immer Elternerziehung. Eltern müssen sich zunächst auf sich selbst und die eigenen Reaktionen und Verhalten konzentrieren um dann die Eltern-Kind Beziehung zu verbessern. Das eigene emotionale Gepäck spielt, so die Autorinnen, spielt eine bedeutende Rolle. So beschreiben es I. Sandahl und  S. Zobel im 1. Kapitel „Rückblick“.

In den anderen Kapiteln geht es um die Grundpfeiler der Erziehung bzw. Beziehung zwischen Kind und Eltern: Entschleunigung, den Anderen annehmen, wahrhaftig zuhören und einfühlen in den Anderen. All diese Aspekte sind sehr schön zusammengefasst und sehr gut mit Beispielen befüllt, nur prinzipiell nichts Neues. Auch das Kapitel „Ich bin liebenswert“ hat mir sehr gut gefallen.

„Je stärker wir uns selbst im Guten  wie im Schlechten lieben und akzeptieren, umso besser können wir andere im Guten wie im Schlechten lieben und akzeptieren“

Schöne und Wahre Worte!

Kindern genau das Beibringen ist meiner Meinung nach mit das Wichtigste. Denn  man kann nach Auffassung der Autorinnen (und hier schließe ich mich absolut an) nicht für sein Kind da sein, wenn die eigene (Selbstfürsorge) Tasse leer ist.  Selbstfürsorge ist also in der Kindererziehung essentiell!

Es gab allerdings auch Kapitel die mir weniger gefallen haben. Das Kapitel über die Medien Nutzung der Kinder ist für mich an der Lebensrealität vieler Familien vorbei geschrieben. Es enthält zwar einige Wahre Fakten über Medienkonsum dennoch verteufelt es m.M. nach die Mediennutzung zu sehr.

Auch das Kapitel „Umarmen“  verursachte an mancher Stelle ein Kopfschütteln bei mir. Ja Körperkontakt und Abgrenzung ist wichtig. Aber Kindern die sog. „Unterwäscheregel“ beizubringen halte ich für fragwürdig. Diese besagt: Alle Körperteile die von Unterwäsche bedeckt werden dürfen nicht von anderen berührt werden“. Sollten wir unseren Kindern nicht viel mehr das Recht auf Selbstbestimmung beibringen? Sollten Kindern nicht lernen Stopp zu sagen egal an welcher Körperstelle sie nicht berührt werden wollen? Sollten Kinder nicht selbst darüber bestimmen ob sie von Jemand am Arm, dem Bauch oder Genitalien berührt werden dürfen?

Am wenigsten bzw. Gar nichts konnte ich mit dem Kapitel „Disziplin“ anfangen. Allein die Wortwahl  hat einfach nichts in einer bedürfnisorientierten Eltern-Kind Beziehung zu suchen.  Ja Konflikte sind für Kinder wichtig. Daran wachsen sie und stären ihr eigenes Ich. ABER die Aussage Kinder sollten lernen sich auf Wunsch anderer einzuordnen und unterzuordnen finde ich schwierig und kann dem nicht zustimmen. Die Autorinnen führen an, dass Kinder schlichten Regeln wie „auf einem Stuhl sitzen“ oder“ bei der Begrüßung die Hand geben“ kaum folgen. Ich frage mich, müssen sie das denn? Sind das „unbeugsame Regeln“ oder einfach nur veraltete Konventionen? Für die Autorinnen stellt „Selbstkontrolle“ eins der Dinge dar, die von Kindern unbedingt gelernt werden müssen. Nun, dies stimmt leider so gar nicht mit meinem Bild vom Kind überein.  Kinder sind für mich von Geburt an Kompetente Wesen die lernen sollten auf sich selbst zu Vertrauen und Dinge zu hinterfragen.

Insgesamt ein interessanter Eltern Ratgeber, der allerdings keine neuen Weisheiten enthält und mich immer noch rätseln lässt was nun das Besondere an dänischen Eltern ist.

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