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Die Wunderfrauen

Stephanie Schuster

In dieser fantastischen Trilogie begleiten wir Luise, Annabel, Helga und Marie vom Starnberger See durch zwei Jahrzehnte ihres Lebens.

Die Geschichte beginnt im Jahr 1953. Nach den schrecklichen Jahren des zweiten Weltkrieges und dem Nazi-Regime erholt sich Deutschland. Die „Wirtschaftswunderjahre“ halten Einzug ins Land. Luise Dahlmann erfüllt sich den Traum ihres eigenen Gemischtwarenladens. Volle Regale, kein Mangel, das ist es was die Leute möchten. Gemeinsam mit der Lernkrankenschwester Helga Knaup, der jungen Marie aus Schlesien und der Arztgattin Annabel möchte Luise die Zeiten der Entbehrung vergessen und wieder glücklich sein.

10 Jahre später hat sich einiges verändert. Helga ist nun alleinerziehende Mutter und arbeitet als Frauenärztin in der Seeklinik. Marie ist mit Luises Bruder verheiratet und lebt auf dessen Bauernhof mit inzwischen 3 Kindern. Annabel muss nach der Geburt ihrer Tochter Marie einen Schicksalsschlag verdauen und kämpft für die Wahrheit. Und Luise? Luises ganzer Stolz ist nach wie vor ihr Laden und ihre Tochter Josie. Ihre Ehe mit Hans hingegen hat Höhen und Tiefen.

Weitere 10 Jahre vergehen und im Jahr 1973 begeben sich die 4 Freundinnen auf eine Reise quer durch Europa. Jede von ihnen hat so einiges an Schicksalsschlägen hinter sich: Familiengeheimnisse, Verstrickungen in Machenschaften der Nazis, Krankheit, Tod und verlorene Lieben. Doch eins ist sicher: Alle für einen und eine für alle!

Mein Fazit:

Wie im Rausch habe ich diese Trilogie innerhalb von drei Wochen verschlungen.

Für mich stimmt alles an der Geschichte bzw den Geschichten:

Die Charaktere sind authentisch, es gibt nicht DIE gute oder DIE böse Figur. Jede der Frauen zeigt in unterschiedlichen Phasen verschiedene Charakterzüge. Sie sind eben echt!

Jede der Vier bringt ihre eigene Geschichte mit und zusammen wird es zu einer stimmigen Story. Nach und nach zeigt sich wie verstrickt die Frauen in ihren Lebensgeschichten miteinander sind.

Stephanie Schuster hat die perfekten Spannungsbögen eingebaut. Die Geschichten werden abwechselnd aus den Perspektiven der Frauen erzählt. Der Schreibstil der Autorin schafft es, dass man mühelos am Ball bleibt und gar nicht erwarten kann zu erfahren wie es weiter geht. Am Ende des 2. Bandes gibt es einen fabelhaften Cliffhanger.

Historische Ereignisse und die persönlichen Biografien verschmelzen miteinander. Man hat das Gefühl, man ist mittendrin in der deutschen Geschichte. Dabei werden geschichtliche Fakten präsentiert ohne zu langweilen. Die Geschichten der jeweiligen Frauen sind so vollgepackt mit Historie, dennoch sind sie zu keinem Zeitpunkt überladen. Zudem macht die Trilogie sensibel für die deutsche Geschichte,  die auch nach 1945 immer wieder dunkle Stunden hatte (Olympia 1972, RAF Terrorismus, Mauerbau, deutsch-deutsche Teilung, der Contergan Skandal in 60ern…). All diese Ereignisse fließen in die Geschichte um die vier Freundinnen ein ohne dabei  zu bedrücken.

Immer wieder rückt die Autorin die Rolle der Frau und das Bild von ihr in der Gesellschaft in den Mittelpunkt.  Die Bücher strotzen vor Feminismus und Kritik an dem Patriachat und dem System in dem Frauen benachteiligt wurden und werden (!!!). Und das ist verdammt gut so!

Unvorstellbar, dass Frauen in den 50er Jahren nur mit Erlaubnis des Ehemanns arbeiten durften oder das Abtreibung lange Zeit strafbar war. Auch eine Scheidung war bis Anfang der 70er Jahre eine Sache bei der Frau nur verlieren konnte. Mutigen  Frauen wie Luise, Helga, Annabel und Marie  haben wir es zu verdanken, dass wir unabhängiger und freier als damals sind. Heute gibt es eine Vielzahl anderer mutiger Kämpferinnen des Feminismus (z.B. Aleandra Zykunov, @seiten.verkehrt ). Denn wenn wir uns gerade die Rolle der Mutter in der Gesellschaft betrachten wird deutlich: das Patriachat ist noch verdammt mächtig. Frauen insbesondere Mütter verdienen (bei gleicher Position und Qualifikation) oft deutlich weniger. Sie bleiben oft viel zu lange in Elternzeit bzw. unentgeltlich zuhause. Der Mann gilt viel zu oft noch als Ernährer und Hauptverdiener der Familie. Die Mütter hingegen leisten 24/7 Care Arbeit und bekommen nichts. Weder jetzt noch später im Alter. Von Altersarmut sind oft Frauen betroffen. All dies muss sich endlich ändern.

Also Luises, Helgas, Annabels und Maries aus dem Jahr 2021: Steht auf und kämpft für eure Rechte!!

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