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Die Unsterblichen

Chloe Benjamin

Ein Familiendrama um die Frage: Wie würdest du Leben, wenn du wüsstest, an welchem Tag du stirbst.

Zur Geschichte:

Im Sommer 1969 machen sich die Geschwister Gold auf den Weg zu einer Wahrsagerin. Varya (13), Daniel (11), Klara (9) und Simo (7) möchten das Schicksal herausfordern und wissen, an welchem Tag sie sterben. Was anfangs eine Art Mutprobe ist wird bald zu einem schicksalshaften Ereignis. Als  Jahre später ihr Vater Saul stirbt, beschließen Simon und Klara nach San Francisco abzuhauen.

Simon der Homosexuell ist, hofft dort alle seine Freiheiten zu haben und das Leben auszukosten. Er lebt in vollen Zügen und taucht tief ein in die Schwulenszene der frühen 80er Jahre in San Francisco.  

Klara hingegen möchte Zauberkünstlerin werden und überschreitet regelmäßig die Grenzen zwischen Fiktion und Realität. Mit ihrem Freund Raj bekommt sie die kleine Ruby und zu dritt nimmt ihre Karriere in Las Vegas (augenscheinlich) endlich Fahrt auf. alles ist perfekt. Bis zum 01. Januar 1991.

Daniel war schon immer der vernünftigste der vier Geschwister. Er weigert sich an die Worte der Wahrsagerin zu glauben und lebt ein solides Leben als Arzt bei der US Army. Bis Jahre später der Name der Wahrsagerin auftaucht und ihn aufwühlt.

Varya ist als Erwachsene in die Forschung gegangen und versucht das Altern aufzuhalten. Sie leidet seit ihrer Jugend an Angststörungen und lebt ihr Leben mit angezogener Handbremse.

Meine Meinung:

Das Buch ist in vier Teile aufgeteilt Für jedes der Geschwister einen. In sich ist jeder Teil abgeschlossen (ich glaube man kann sich denken womit jeder Teil endet), dennoch spielen die Ereignisse in den nächsten Teilen, also im Leben der anderen Geschwister eine Rolle.

Chloe Benjamins Schreibstil ist dabei intensiv und wortgewaltig. Sie ist direkt und nichts wird beschönigt. Ihre Figuren tragen viele Themen im Rucksack (Depressionen, Selbstmordgedanken, Mutterschaft, Homosexualität, HIV…), die nie reißerisch sondern sehr bedacht beschrieben wurden dabei aber dennoch mitten aus dem Leben sind.

Ihr Ausgangszenario der Geschichte ist unheimlich passend gewählt wie ich finde. Ein heißer Sommer in New York im Jahr 1969… das erinnert mich an den Film Sleepers, als alles Bergab ging.

Die Charaktere des Buches sind sehr gut getroffen. Dabei kann ich nicht sagen ob sie mir sympathisch sind oder nicht. Jede*r weckte Gefühle bei mir: Mitleid, Freude, Verständnis, Ärger, Wut….  Einzig Varya blieb die Ausnahme. Zu ihr konnte ich wenig Verbindung aufbauen. Auch fand ich ihren Teil der Geschichte weniger spannend. Diesen Teil habe ich fast emotionslos gelesen. Einzig der Teil mit Frida, dem Versuchsaffen weckte Emotionen bei mir.

Die Autorin hat einen fantastischen Roman geschrieben mit einer tiefgründigen Ausgangsfrag als Thema. Ich für mich habe noch keine eindeutige Antwort gefunden.  Würde ich wissen wollen, wann ich sterben muss? Vielleicht würde ich einen Zeitraum wissen wollen. Wenn ich einen bestimmten Tag wüsste, hätte ich vermutlich zu sehr Angst, dass ich Schmerzen hätte oder etwas ähnliches. Würde ich anders Leben? Vielleicht. Wahrscheinlich würde ich mehr Dinge tun ohne „Ja aber“ im Kopf zu haben. Aber vielleicht ist das Buch auch ein guter Anlass für weniger „Aber“ und mehr „Los jetzt“ im Kopf!

Ein Wahnsinns Roman, von dem ich mich erstmal erholen musste.

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